Anal? Vaginal? Beides?
© Andrada Predescu

Anal? Vaginal? Beides?

Analsex. Immer noch ein großes Tabu für sehr viele Menschen. Warum dieser aber nicht nur im schwulen oder queeren Kontext zu wunderschönen Höhepunkten führen kann, verrät uns Samantha in einem anonymen und sehr offenen Interview. 

Redakteurin Jacky begibt sich immer wieder auf die Suche nach heißen Spots, heißen Partys und heißen Praktiken. Heute im Fadenkreuz bei anuux on the hunt: Analsex trotz Vagina – oder vielleicht sogar genau deshalb?

Wendy Ho sang einst so keck: “I got a perfect pussy, what more do you need?” – und genau damit landen wir auch schon beim Thema: Wenn eine Pussy vorhanden ist, warum dann der Bedarf an Analsex? Im queeren und vor allem schwulen Kontext ist Analsex nicht nur eine Notlösung. Durch die gut durchblutete und sensible Prostata sind sexuelle Freuden möglich, die, sofern person diese noch nicht selbst erlebt hat, schwer zu beschreiben sind. Aber wie sieht das ganze ohne Prostata aus? anuux bittet Samantha zum Zwiegespräch.

 


© Andrada Predescu

Backdoor-Action trotz der Möglichkeit des vaginalen Sex scheint für viele weibliche Personen und Personen mit Vagina da draußen zunächst etwas fragwürdig. Woher stammt die “Mainstream-Skepsis” deiner Meinung nach?

Statt von Skepsis sprechen wir in diesem Fall eher von komplexen gesellschaftlichen Dynamiken rund um das Thema Sex, insbesondere Analsex. In einer von Männern dominierten Welt wird das weibliche Verlangen direkt und indirekt durch das männliche Verlangen geprägt. Oder besser gesagt: Die Stigmatisierung von Frauen, die eine offene Sexualität genießen, war – und ist leider immer noch – so stark, dass das weibliche Verlangen im Laufe der Zeit zu einem Tabu geworden ist. Analsex wird in unserer Gesellschaft meist als ein Verlangen des Mannes angesehen, nicht als das einer Frau.

War für dich Analverkehr schon immer frei von Tabus?

Ich war schon immer sehr neugierig, was meine Sexualität angeht. Analsex war für mich nicht immer tabufrei, da ich in einer streng religiösen Familie aufgewachsen bin. Als ich mit etwa 18 Jahren anfing, meine Sexualität zu entdecken (penetrative sex), war ich sehr neugierig auf Analsex, konnte aber noch nicht einmal die richtigen Leute finden, um darüber zu sprechen. Meine erste Erfahrung war spontan mit meinem damaligen Freund. Es war unbeholfen, fast clumsy und ja: Schmutzig. Und natürlich ging das mit einem Gefühl tiefer Scham einher. Zum Glück schien es meinem damaligen Freund völlig egal zu sein, da er viel mehr Erfahrung hatte als ich. Das half mir sehr, mit den Schamgefühlen umzugehen. Und ich fühlte mich sicher, auch wenn die Scham in diesem Moment nicht ganz verschwand. A classic.

Wann hast du den Reiz des Arschficks für dich entdeckt?

Ich habe die magische Welt des Analverkehrs entdeckt, als ich etwa 19 war – mit einem sehr versauten Freund, mit dem ich damals zusammen war.

Lieber anal, vaginal – oder beides gleichzeitig?

Beides, du Geizhals! Warum sich entscheiden, wenn man je nach Lust beides haben kann? Manchmal ist es zu 100 % vaginal, manchmal zu 100 % anal, und so gefällt es mir am Besten. Als Switcherin mag ich beide Seiten gleichermaßen.

Ist Analsex eine gute Alternative, falls die Regel einsetzt?

Warum nicht! Alles ist erlaubt, solange man sich dabei wohlfühlt! Ich genieße zum Beispiel während meiner Periode vaginalen Sex sehr, und mein Partner auch – so wie jede*r eben mag.

Viele Neulinge haben Bedenken bezüglich Sauberkeit. Wie bereitest du dich vor?

Nun. Ich muss gestehen: Ich bin ein “unartiges“ Mädchen! Meistens mache ich mich vor dem Analsex nicht sauber – ich douche nicht – und bereite mich auch nicht darauf vor. Es macht weder meinem Partner noch mir etwas aus, wenn es etwas „dirty“ wird. Ich genieße die Natürlichkeit des Augenblicks und was kommt, das lass ich einfach kommen!

Das klingt nach sehr viel Vertrauen und Offenheit in eurer Beziehung und wirkt so, als wärt ihr beide schon lange ein Paar. Hast du dennoch Tipps für Personen, die sich noch nicht mit dem Thema auskennen oder nur wenig Erfahrungen haben?

Tatsächlich haben mein Partner und ich bereits eine achtjährige gemeinsame Reise hinter uns, und das Vertrauen sowie die Intimität zwischen uns sind tief verwurzelt. Als Frau – auch wenn es vielleicht controversial klingt – halte ich es für sehr wichtig, einen Partner zu haben, der in dieser Hinsicht absolut keine Tabus kennt. So hat es bei mir angefangen. Ich habe mich sofort sicher gefühlt, über das Thema zu sprechen und es mit dieser Person in meinem eigenen Tempo und entsprechend meinen eigenen Bedürfnissen zu erkunden. Na ja, ich habe nicht allzu viel Zeit gebraucht, mich fallen zu lassen, aber das ist eine andere Geschichte, haha! Also ja, einen Partner zu haben, bei dem man sich in Bezug auf dieses Thema sicher fühlt, ist ein großes Plus und hilft dabei, loszulassen. Aber eigentlich beginnt schon Analplay, bevor man überhaupt dazu kommt, einen Spielpartner zu finden. Ich habe zum Beispiel angefangen, meinen Körper ganz allein zu erkunden. Damals hatte ich keinen safe Raum um mich herum, der es mir ermöglichte, bewusst zu erkunden, also fing ich an, mit mir selbst zu spielen und dieses ach-so-gefürchtete dunkle Loch zu erkunden. Ich finde es wichtig, zunächst ein Verständnis für den eigenen Körper zu entwickeln – was er mag, wie sehr er es mag… Und wie könnte man dies besser tun als mit den eigenen Fingern und/oder Sexspielzeugen? Es gibt viele Arten von Spielzeugen, die zur Erkundung und auch Dehnung gedacht sind – fang klein an und höre auf deinen Körper. Denn nur dein Körper weiß, was du magst. Hab Vertrauen in dich, auch wenn das nicht immer einfach ist. Und vergiss das Gleitgel nicht. Ich persönlich bevorzuge Gleitgele auf Wasserbasis, aber Silikon-Gleitgele sind auch toll – es kommt eben einfach darauf an, was DU bevorzugst.

Danke Samantha!

 


 

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