Sabine Maultäschle – Von der Schwäbischen Fürstin zur Münchner Queen
Rotes Zweithaar, Fetisch und Aufklärungsarbeit: Drei Merkmale, die sehr stark auf Sabine Maultäschle hindeuten. Was sonst noch hinter diesem schrillen Namen steckt findest du hier!
anuux on the hunt stellt dir nicht nur die heißesten queeren Spots und Events vor, sondern begibt sich auch auf die Suche nach Personen mit dem gewissen Etwas! Das diesmalige gewisse Etwas bringt Sabine Maultäschle mit: Travestie der nicht ganz so alten Schule.
Was die Münchner Drag Queen zur Perücke gebracht hat und was die politischen Veränderungen Münchens, im Gegensatz zum Rest der Republik, mit ihr machen, verrät sie uns hier. PENG!
Der Name ist weder gewöhnlich, noch klingt er sonderlich nach München, eher schwäbisch. Wie kommts?
Ich bin eine waschechte Allgäuerin. Den Namen Sabine gab mir in meiner Anfangszeit tatsächlich eine Schwester der Perpetuellen Indulgenz der Abtei Bavaria. Und irgendwann stand ich dann mal bei einem Besuch in Wien vor dem Grab der Margarethe Maultäsch von Tirol und dachte mir, das ist es – c'est moi. Somit war der Name Sabine Maultäschle geboren.
Seit wann bist du im Kleid und warum?
Ich saß schon im süßen Alter von 10 in Muttis Schulterpolsterkleid auf dem Sofa und schaute den Denver Clan. Öffentlich in Erscheinung getreten ist Sabine dann 2017 bei einem großen Community-Fotoshooting für das offizielle Plakat des CSD München. Zwei Jahre später machte ich dann im Kleid mit bei der Kampagne "Travestie für Deutschland" zur Europawahl 2019. Mich in eine komplett andere Persönlichkeit zu verwandeln, ist für mich etwas sehr, sehr besonderes. Geschlechterklischees aufzubrechen halte ich nach wie vor für sehr wichtig. Sabine macht auch im Fummel ehrenamtlich HIV/STI-Präventionsarbeit mit und für die S'AG Safety-Aktionsgruppe. Die Menschen reagieren sehr positiv auf mich und so ist es leichter mit ihnen in Kontakt zu kommen.
Sozialpolitisch betrachtet befinden wir uns am Abgrund, das Land zerreißt sich immer weiter und sowohl urkonservative wie auch rechte Strömungen bekommen immer mehr Bühne – nicht nur von den Medien. München hingegen sticht heraus: Seit Mai 2026 habt ihr einen jungen, schwulen und vor allem auch grünen Bürgermeister. Ein Lichtblick?
Dominik Krause ist als offen schwuler OB und großer Community-Supporter eine absolute Bereicherung für uns in München. Ich freue mich sehr, dass er die Wahl im Frühjahr 2026 so klar gewonnen hat. Meinen Support hat er voll. Allerdings wird er es nicht sehr einfach haben, da ja fünf Parteien die Regierungskoalition im Rathaus bilden. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn er beim Wiesn-Anstich die erste gezapfte Mass Herrn Söder in die Hand drückt – so will es ja die Tradition. Prost. Ich freue mich aber auch sehr darüber, dass Bernd Müller es für die Rosa Liste in den Stadtrat geschafft hat. Zwei solch starke Stimmen für unsere Anliegen im Rathaus zu wissen ist für mich ein Lichtblick in dieser Zeit. Und im Fall dass in einem der Vorzimmer ein Job frei sein sollte, sage ich: Ich biete mich an. Dominik oder Bernd oder beide, call me!
Hast du Angst vor der Zukunft als offen queer lebende Person?
Nun, von richtiger Angst möchte ich noch nicht sprechen. Aber ich gehe mit einem geschminkten und wachsamen Auge durch die Welt. Ich wuchs in den 80ern vor dem Hintergrund von HIV und Aids als tödliche Bedrohung auf. Meine Generation erfuhr Stigmatisierung und Ausgrenzung. Die Krankheit und die Diskriminierungen prägten unser gesellschaftliches und schwul-queeres Leben. Das wirkt zum Teil bis heute. Mit Blick auf die Zukunft sage ich, dass wir uns wirklich vorbereiten und wappnen müssen für das, was da auf uns zukommen wird. Wir Queers sind viele und stellen eine Kraft dar – wenn wir zusammenhalten. Das hat auch wieder die Demo des CSD München Munich Pride 2026 deutlich gezeigt.
München Pride. Gutes Stichwort. Du bist jedes Jahr fix am Start. Was hattest du für die geneigten Besucher*innen in der Auslage?
Ich bin ja als Mitglied ehrenamtlich bei der Präventionsgruppe S'AG Safety-Aktionsgruppe engagiert. Ich laufe in Heels mit denen bei der PolitParade mit und zeige mich am Infostand. Highlight war dieses Jahr meine Spielshow „Sabines Gloria Hole“ auf der Bühne der FetishArea des MLC. Die Show war crazy und schlüpfrig – genauso mag ich es.
Du sahst überragend aus! Woher hast du deine rasend schönen Fummel?
Oh, Dankeschön – alles Einzelstücke und maßgeschneidert. Die werden mir vom Label Christel & Sinn exakt auf den Leib und für meine Auftritte geschneidert. Die beiden Designer sind nicht nur wahnsinnig kreative Schneiderleins, sondern auch meine liebsten Freunde. Ohne deren Couture gäbe es Sabine wahrscheinlich gar nicht.
Sabine und Redakteurin Jacky beim Münchner Pride 2024. Credits: Frank Zuber
Was wünschst du dir für die Zukunft von der Landesregierung Bayerns in Bezug auf queere Menschen?
Ich wünsche mir, dass der etwas lasche neue Queer Aktionsplan wesentlich nachgebessert wird. Die Bedürfnisse queerer Menschen verdienen konkrete und nachhaltige Maßnahmen und nicht nur schön klingende Lippenbekenntnisse. Und als hungrige Drag in Bayern frage ich mich dann halt auch, ob der vegane Leberkäs jetzt weiter so heissen darf oder nicht. Seufz, manchmal denke ich, dass wir unnötigerweise auf der Stelle treten, statt unsere Gesellschaft nach vorne in eine bessere Zukunft zu bringen. Sabine sagt: Haltet zsamm und redet mitnander – gerade auch innerhalb unserer LGBTIQA* Community.
Danke Sabine!
Hast du dir schon unser Interview mit Rob vom Keller Kreuzberg gegeben?
Header: Sabine Maultäschle in Christel & Sinn beim CSD München Munich Pride 2026. Credits Alexander Deeg.

0 comments