anuux on the hunt: Barbara Fox – Und jetzt?
© Olivier Hase

anuux on the hunt: Barbara Fox – Und jetzt?

Einst ganz oben im Hamburger Drag-Olymp wurde es ruhig um die Queen. Warum erfährst du hier!

anuux on the hunt ist immer auf der Suche nach den heißesten queeren Locations, Events und Newcomer*innen in der Szene – eigentlich. In der heutigen Ausgabe bitten wir jedoch einen Klassiker der Szene zum Interview: Barbara Fox. Einst ganz oben im Hamburger Drag-Olymp wurde es die letzten Jahre mehr als nur ruhig um die Künstlerin. Warum sie sich aus dem Veranstaltungsbereich und der Öffentlichkeit so gut wie komplett zurückgezogen hat und ob es eventuell ein Comeback geben wird, verrät sie uns.

 


 

Barbara Fox. Ein Name, den nicht nur die Hamburger*innen mit durchtanzten Nächten und ner großen Klappen verknüpften. Was hat dich ins Kleid gebracht und vor allem wann?

Die große Klappe hat mir dazu verholfen, Nicki Dynamite und Sacha Fierce 2010 in Hamburg kennenzulernen. Angefangen habe ich als Background Tänzer bei Nickis Show und Schwupsdiwups hat mich Mutter Fierce im Januar 2011 in Fummel und Heels gesteckt. Schon stand ich mit den beiden in Drag auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Du hast aufgelegt, Veranstaltungen gehostet, eine eigene Kolumne geschrieben und bist für den Dutt durch die Gegend gejettet. Erzähl uns mehr davon.

Musikalisch gestartet habe ich in der Wunderbar und im Hard Rock Café Hamburg. Von dort aus ging es dann in Windeseile zu meinem ersten internationalen Gig nach Zürich. Dort wurde ich dann Resident Djane im Heaven-Club und der Boyahkasha-Party. Nach Zürich folgten u.a. Berlin, Hannover, Frankfurt, Leipzig, Dresden sowie Gigs beim Beach Pride Festival, dem ersten CSD in Graz, dem Europride in Riga. Und 2014 habe ich für Peppermint von Drage Race in New York gespielt. Gerade in den letzten Jahren habe ich dann aber in erster Linie in Hamburg performt und in München moderiert.

Das erfordert unendlich viel Kraft und Durchhaltevermögen. Und im Nachtleben liegen Beschleunigungsmittel oft nicht fern.

Ich denke, dieser Job wird oft unterschätzt. Man ist viel auf Reisen, man schläft wenig und dennoch erwarten Gäste und Booker ein perfektes Produkt. Niemand interessiert sich dafür, dass dein Flieger bereits um 6 Uhr morgens ging und dein Rückflug knapp 24 Stunden später. You gotta do what you gotta do…

Wann hast du gemerkt, dass der Konsum dein Leben mehr gestaltet, als der Lippenstift dein Gesicht?

Ich weiß gar nicht, ob ich es so dramatisch ausdrücken würde. Ich denke jeder weiß, dass Konsum nicht gesund ist. Mir wurde klar, dass ich gesünder leben möchte und dass ich mehr in meiner Zukunft sehe. Ich war schlussendlich depressiv, adipös und arbeitslos. Es gab schlichtweg nur eine Möglichkeit: Aufstehen und sich zusammenreißen.

Nüchtern in diesem Umfeld unterwegs zu sein war keine Option für dich?

Nein. Ich habe es versucht und schnell gemerkt, dass es mich in meiner Entscheidung für mich selbst nur bestärkt. Alles hat seine Zeit und am Wichtigsten ist es zu wissen, wann man gehen sollte.

Nicht nur das Clubleben hat Spuren bei dir hinterlassen. Auch privat musstest du mehr als nur eine Hürde überwinden.

Die letzten 10 Jahre haben mich einfach verändert. Finanzielle Ängste, Depressionen, Panikattacken. Aber alles hat mich stärker gemacht. Was mir das Herz bricht, ist der Tod meiner Eltern. Von meinem Papa musste ich mich vor 3,5 Jahren verabschieden. Meine Mama hat ihren Kampf gegen den Krebs in diesem Frühjahr verloren.

Auch wenn es abgedroschen klingt, aber: Mein tiefstes Beileid, Barbara. Du hast dich bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und bist letztendlich nach einem beruflichen Zwischenstopp in Österreich in Wolfsburg gelandet. Warum genau dort?

Vor 6 Jahren bin ich zu einem Abenteuer aufgebrochen, war Teil des Management-Teams für eine Hoteleröffnung in Innsbruck und ein Jahr später auch in Bremen. Als wir 2024 erfahren haben, dass meine Mama an Krebs erkrankt ist, habe ich von heute auf morgen meine Zelte abgebrochen und bin in meine Heimat gezogen. Dort habe ich dann meine Mama bis zuletzt gepflegt und kümmere mich um meine Oma. Jetzt habe ich mir den Traum vom Haus, Garten und Hund erfüllt und arbeite als Hotel Manager.

Fehlen dir Kleid und Glamour manchmal?

Ja, aber nur manchmal. Was mir fehlt, ist die Unbeschwertheit, die ich mit der Zeit verbinde.

Wird es irgendwann, wenn auch nur temporär, wieder eine Barbara in deinem Leben geben?

Ich sage niemals nie. An Ideen für Projekte hat es noch nie gemangelt und ein Whirlpool möchte auch bezahlt werden.

Danke Barbara.



 

 

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