anuux on the hunt: Sissi und Anal?
Was haben Berlin, Wien und das Nachtleben gemeinsam? Richtig: Großartige Parties und Sex – und eine discoesque Mischung aus beidem.
anuux on the hunt stellt euch nicht nur queere Hotspots vor, sondern auch kulturelle Perlen wie Restaurants oder aber Tanzveranstaltungen. Heute in der Auslage: BUTTC0CKZ.VIENNA.
Ah ge bitte!
Knapp 7 Jahre lang füllte die Veranstaltungsreihe BUTTCOCKS die riesigen Hallen des SchwuZ unter der anarchischen Feder von Jacky-Oh Weinhaus. Bis zu 1000 feier- und vögelwütige Queeros fanden einmal pro Monat ihren Weg nach Neukölln: Egal ob im Temple of consensual Touch den körperlichen Gelüsten nachzugehen oder auf den beiden Tanzflächen zu elektronischer, Disco- und Popmusik dem Bass zu frönen. Doch mit der Schließung des SchwuZ im November 2025 schien das Grab für BUTTCOCKS geschaufelt.
Das Schlachtschiff des queeren Kampfes
Durch die Insolvenz nach 48 Jahren queeren Kampfes ist für die Community nicht nur ein Ort des Feierns verschwunden, sondern auch ein wichtiger Safe Space, ein Ort des Austausches und des Zusammentreffens. Neben Tanz- und Kulturveranstaltungen bot das SchwuZ so viel mehr: Selbstverteidigungskurse für queere Menschen, Tagungen, Konzertreihen in Zusammenarbeit mit arte. Namhafte Künstler*innen wie Jean Paul Gaultier, Petula Clark, Arietty, oder die Pixies beehrten das SchwuZ. Und dass diese Perlenkette an Kultur und Glamour nicht abreißen durfte, war klar. So erfindet sich nicht nur das SchwuZ seit Mai 2026 an wechselnden Orten unter frischer, energetischer Führung immer wieder neu: Neue Veranstaltungen, neues Team, neue Ideen. Auch das BUTTCOCKS-Herzerl pocht weiter. Und zwar in der Kaiserinnenstadt Wien.
Sex, Pills and Kaiserwalzer?
Rumi de Baires (Fotocredits Vlad Dobre)
Zum Vienna Pride 2026 wanderte Jacky-Oh Weinhaus in Zusammenarbeit mit DJ Shane von der Spree an die Donau. BUTTC0CKZ.VIENNA ward geboren. Mit tatkräftigem Support eines engagierten Teams zauberten die beiden ihre eigene Version von Sex, Drugs and Rock’n’Roll im Flucc Deck: Der Sex blieb. Aus Rock’n’Roll wurde eine rhythmische Melange aus Disco, House und Pop’s Finest u.a. von Rumi de Baires und DJ Shane. Und aus den Drugs wurden Pillen für spontanen Analsex. Mit freundlicher Unterstützung von anuux wurde den geneigten Gäst*innen nicht nur Musi und Gschmusi geboten, sondern auch 3 Tage-Testsets der beliebten Ballaststoffpillen. So konnten die Wiener*innen die Vorteile von anuux am eigenen Leib erfahren – wortwörtlich.
Where there is a Drag, there is a show
Was BUTTCOCKS stets ausmachte, war ein Showblock. Verführerische Nummern von Lawunda Richardson, Bibingka and the Babes, RuPaul-Star Bestiah u.a. lockten die Feiernden an den Bühnenrand der SchwuZ-Kathedrale.
Und auch dieses Schmankerl hielt BUTTC0CKZ.VIENNA bereit: Dragbombe bloodsugar zog das gespannte Publikum mit Akrobatik, einem kaum sichtbaren Outfit und irrsinnig viel Sexappeal in ihren Bann, während Miss Weinhaus zwei Songs, ihres im Herbst erscheinenden Albums, live zum Besten gab.
Ur oarg woars!
Mit allem war zu rechnen. Aber dass die Veranstaltung so gut ankommt, hätte wohl niemand gedacht. Kurz nach der Show um 01:30 Uhr hieß es zunächst “Einlassstop”! Folgegäst*innen mussten sich leider auf längere Wartezeiten einstellen, bis wieder etwas Platz in der Location war.
Die Mischung aus Disco, House, ferner Pop und mehr als nur anrüchigen Visuals, einem doppelstöckigen ruhigen Außenbereich und der großen Klappe der Veranstalter*in Weinhaus scheinen den Wiener*innen geschmeckt zu haben. Am 15.08.2026 wird es die nächste Ausgabe geben.
Ist das überhaupt notwendig?
Es stellt sich die Frage, warum ein Berliner Teilzeitmädchen eine Party in Wien macht. Gibts dort nicht genug?
Es ist genug Travestie für alle da. Drag scheißt auf Landesgrenzen, auf Geschlechter und Sexualitäten, auf kulturelle Hintergründe und aufs Alter. Drag verbindet und genau das ist es, was wir in der aktuellen politischen Lagen brauchen – nicht nur national betrachtet. Die Bedrohung queerer Rechte von oberster Hand und der damit einhergehende Neglect sind sozialpolitisch eine Katastrophe. Und das nicht nur für queere Personen. Alle, die nicht ins Bild von reich, weiß, hetero, körperlich und seelisch unversährt und vorzugsweise männlich passen, werden so gut es geht gestrichen. Aus dem öffentlichen Leben, aus der allgemeinen Versorgung und aus dem Diskurs. Dass wir in den Faschismus regiert werden, scheint von den Konservativen niemanden zu interessieren. Und genau deshalb wird weitertravestiert!

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