Der Spitz, der Pfau und das gute, alte West-Berlin
anuux on the hunt hat für euch nicht nur Tanz, Zweithaar und Sinnlichkeit in der Auslage, sondern auch Kulinarik mit viel Herz und einer ordentlichen Portion Chichi. Wo dies zu finden ist? Im Spitz+Pfau an der Knesebeckstraße 20/21 im altehrwürdigen Charlottenburg. Kuchengabeln gewetzt und hinein in eine Welt aus Charme, Patina und wohlschmeckender Küche!
Carla und Sven, der Spitz und der Pfau sozusagen. Woher stammt dieser schrille Name?
Sven: Knackig und kurz sollte der Name sein. Aus zwei Teilen bestehen – der eine Teil für die eine und der andere Teil für den anderen. Zu Anfang dachten wir an Lady Pomeranian and Mister Peacock. Eine Freundin mahnte zur Vereinfachung, deswegen Spitz+Pfau.
Carla: Der Spitz kommt von mir, und natürlich gibt es ihn auch wirklich. Napoleon ist sein Name, neun Jahre jung und manchmal auch hier anzutreffen. Er liebt Menschen über alles, andere Hunde dagegen eher gar nicht. Er hat eben seinen ganz eigenen Kopf und weiß ziemlich genau, wen er mag, wen nicht und von wem er auch mal Streicheleinheiten einfordern kann.
Sven: Dann bin ich wohl der Pfau. Etwas Eitelkeit und farbenfrohe Garderobe gehören dazu. Zudem gibt es ein Alter Ego – Lady Peacock –, die manchmal ihr Unwesen treibt.
Sind eure Besucher*Innen nur Queer?
Carla: Nein, komplett gemischt.
Sven: Queer, schwul, lesbisch, straight, transident, nonbinär, jung, nicht mehr jung, schwarz, weiß, groß, klein. Alle sind herzlich willkommen.
Carla: Warte! Bis auf eine ganz bestimmte Sparte, die hier nicht gerne gesehen ist!
Sven: Stimmt! Es gibt eine rote Linie. Wir stehen ein für Diversität, Respekt, Toleranz, Akzeptanz und stellen uns gegen jegliche Form der Diskriminierung, der Intoleranz, der Abwertung und des Hasses. Egal, aus welcher Richtung. Haltung ist hot.
Euch gibt es seit 2021. Ende September habt ihr euren fünften Geburtstag gefeiert. Das heißt: Ihr habt euch während der Corona-Krise gegen die bedrohliche Allgemeinsituation aufgelehnt und nicht gerade wenig riskiert – mit Erfolg, wie wir sehen können. Woher der Antrieb?
Carla: Wir hatten bereits vor Corona den Plan, ein eigenes Lokal zu eröffnen. Allerdings in einem ganz anderen, aber auch tollen Kiez. Schlussendlich haben wir uns zum Glück dagegen entschieden und dafür hier etwas Tolles geschaffen.
Ich habe direkt nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement in einem kleinen Café in direkter Umgebung zu meiner Wohnung angefangen zu arbeiten und habe es total lieben gelernt. Da ich selbst jetzt noch an meinen freien Tagen gerne koche – und am liebsten direkt für viele Personen – bin ich echt froh, für mich den richtigen Beruf gefunden zu haben. Einen Beruf, in dem ich einfach aufgehen kann und der mir, trotz des ganzen Stresses, immer noch total viel Spaß macht.
Sven: Ich komme, beruflich betrachtet, aus der Jugend-Sozialpädagogik, kenne mich deswegen mit Resilienzen und Frustrationstoleranz aus. Ein Lokal zu eröffnen war bereits unser Plan vor dem ersten Lockdown. Wir mussten unsere Pläne aber erstmal auf Eis legen. Es folgte in dieser Zeit schließlich eine berufliche und eine persönliche Lebenskrise und ich war bestrebt, etwas völlig Neues zu unternehmen, ja zu wagen. Carla und ich hielten die Augen offen nach möglichen passenden Gewerbeeinheiten. Zeitgleich mit der SARS-CoV-2-Variante Omikron sind wir auf die Räume hier im Kiez gestoßen und wussten: Das soll es sein. Support in vielerlei Hinsicht gab es im Freund*Innen- und Familienkreis.
Das klingt nach “Es musste einfach sein!”. Hattet ihr schon immer den Traum des eigenen Lokals?
Carla: Da ich, sobald ich das Kochen von meinem Vater gelernt hatte, eigentlich immer für alle kochen wollte, war schon ziemlich früh klar, dass ich irgendwann irgendwas in diese Richtung machen werde. Der Traum vom eigenen Lokal hat sich also tatsächlich schon sehr früh herauskristallisiert. Ich liebe es einfach neue Sachen auszuprobieren und für viele Menschen zu kochen – je mehr, desto besser. Und irgendwie ist es natürlich besonders schön, wenn man das Ganze dann irgendwann im eigenen Laden machen kann.
Sven: Ich koche schon mein ganzes Leben lang gerne, backe mal mehr, mal weniger. Während und nach dem Studium konnte ich immer wieder in die Gastronomie eintauchen. Nach meinem Umzug nach Berlin habe ich jahrelang während meiner eigentlichen Tätigkeit sonntags in einer kleinen Bar im Prenzlauer Berg gearbeitet. Vor meiner Selbständigkeit habe ich mit großer Freude oft und regelmäßig Essen und Gesellschaften ausgerichtet. In meiner Familie und unter uns Freunden*Innen ist gelebte Gastfreundschaft selbstverständlich. Kurz gesagt: Ja, der Traum, ein eigenes Lokal zu führen, hatte seit langer Zeit bestanden.
Der Name ist optisch betrachtet mehr als nur Programm: Neben Mid Century-Mobiliar sind eure Namensgeber*Innen stete dekorative Begleitung. Geht euch der ganze Glitzer manchmal auf die Spur? Thema: Staubwischen.
Carla: Nein, überhaupt nicht. Es gibt doch kein zu viel! Zu Weihnachten muss Sven mich manchmal stoppen, damit nicht noch mehr Deko aufgehängt wird.
Sven augenzwinkernd: Was heißt das: Staubwischen?

Die Mischung aus 50er Jahre-Charme und Chichi überzeugt das geneigte Gastvolk des Spitz+Pfau seit nun mehr 5 Jahren.
Auf den eigenen Heels zu stehen und alles selbst zu schmeißen bedeutet selten Freizeit. Wie schafft ihr Ausgleich zur doch recht fordernden Gastronomie?
Carla: Mit Napoleon Gassi gehen, viel lesen, Zeit mit Familie und Freund*Innen verbringen. Ganz ganz neu gehört jetzt auch Stricken zum Abschalten dazu.
Sven: Alkohol, Rauschmittel, Sex… Eskapismus.
Was erwartet die geneigten Gäst*Innen in euren reichlich dekorierten Hallen?
Carla: Auf jeden Fall gibt es ziemlich viel zu entdecken. Wir mögen es beide üppig, bei uns darf es gerne ein bisschen mehr sein. Neben der ganzen Deko gibt es natürlich gutes Essen, selbst gebackenen Kuchen, leckere Drinks und immer mal wieder etwas Neues, sowohl auf der Karte als auch in der Deko. Uns ist vor allem wichtig, dass man sich bei uns wohlfühlt und am Ende satt und glücklich nach Hause geht.
Sven: Natürlich gibt es uns. Achtsamkeit, Sonne im Herzen, leckeres Essen und Getränke, ein offenes Ohr, Haltung.
Neben herkömmlichen Heiß- und Kaltgetränken bietet ihr eine raffinierte Mischung aus französischer und mediterraner Küche, wöchentlich wechselnden Kuchen und einer charmanten Weinselektion. Wofür schlägt in der Küche euer Herz am meisten?
Carla: Sauerteigbrot, Toastbrot und natürlich Streuselkuchen backen! Sven: Ausprobieren von Gerichten, Menüs planen, Erbsensuppe kochen, Käsekuchen backen.
Eure Location bietet auch Raum für private Feiern oder andere Veranstaltungen. Was waren eure Highlights im letzten Jahr?
Carla: Cake’n’Rave I-III, 5. Jubiläum und natürlich jeden Tag mit Sven arbeiten zu können.
Sven: Lesungen und Weinproben mit “unserem“ Winzer, Cake’n’Rave I-III und mein eigener Geburtstag. Dann natürlich mit Leuten ins Gespräch zu kommen und zwei Geburtstage unserer Stammgäst*Innen: Hannes wurde 91, zusammen mit Ellas 7. Geburtstag. Die vielen kleinen und großen Begegnungen jeden Tag.
Auf was können sich eure Fans in der nächsten Zeit freuen?
Carla: Es warten Adventsspecials, eine Weinlesung sowie Krimiproben mit unserem Haus- und Hofwinzer im Februar. Infos dazu findet ihr auf unserem Instagram-Kanal.
Sven: Und natürlich dürft ihr euch darauf freuen, dass wir weiterhin mit vollem Herzen, dem ein oder anderen Gläschen und noch mehr Kuchen für euch gastgeben werden!
Danke Spitz, Pfau und Spitz.
Jacky-Oh Weinhaus
Jacky-Oh wühlt sich für dich durch queere Themen, die wirklich von Bedeutung sind: Shopping, Poppers und Analsex landen bei ihr ebenso auf dem Tisch wie Tipps für eine besser Verdauung und der Weg zum Prostata-Orgasmus. Egal ob Interviews mit Stars und Sternchen oder doch ein Rezept für gesunde Eiscreme. Die staatlich examinierte Physiotherapeutin weiß Rat.
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