anuux on the hunt: What happened to Charlet Crackhaus?
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anuux on the hunt: What happened to Charlet Crackhaus?

Wenn person ans Berliner Nachtleben und die goldenen Zeiten des GMF denkt, ist eine feste Showgröße immer ganz vorne dabei gewesen: Charlet Crackhaus. Knappe Fummel, langes Haar und stets mit dem richtigen Beat hinterm DJ-Pult unterwegs. Doch über die letzten Jahre ist es ruhig um die Fummeltrine geworden, oder?

 


 

anuux on the hunt stellt dir nicht nur die heißesten queeren Spots und großartige Events vor, sondern macht sich auch auf die Suche nach besonderen Künstler*innen. Heute in der Auslage: Gino Bormann, besser bekannt als Charlet Crackhaus. Aber die Frage, die sich stellt, lautet: What happened to her?

Du warst über ein Jahrzehnt eine DER Dragqueens, ohne die Veranstaltungen wie GMF oder auch Propaganda kaum denkbar waren. Doch irgendwann hast du dich hinterm DJ-Pult und auf Partys rar gemacht. Wie kommts?

Ich habe es nach Corona nicht mehr gefühlt mit dem Auflegen. Die Szene hat sich weiterentwickelt, die Leute und auch die Veranstaltungen. Ich hatte keine Lust mehr vor 20-Jährigen Jennifer Lopez zu spielen. Ich bin auch erwachsener geworden und liebe es in Bars wie The Coven aufzulegen, mit dem Publikum was ich auch selber attraktiv finde.

Kannst du dich noch an den Moment erinnern, als du das erste Mal im Kleid warst?

Ja natürlich, ich war die real Woman, zumindest habe ich mich so gefühlt. Jetzt zurückblickend, natürlich absoluter Albtraum auf Highheels.

Gab es ein gewisses Erlebnis, dass dich aus der Perücke geholt hat oder war einfach irgendwann genug?

Es war einfach an der Zeit, eine neue Generation an Drag-DJanes an die Teller zu lassen und ihnen das Spotlight zu übergeben. Ich habe so viele Länder, Städte und auch Prides erlebt, dass ich nicht das Gefühl habe – oder hatte, dass ich das mit Djing noch toppen könnte. Wenn man nicht mehr den Kitzel fühlt, die Nervosität vor einem Gig, hat es für mich die Magie verloren.

Gino en privèe in New York © privat 

Wenn dich Leute auf der Straße ansprechen, bist du Gino, in alten Kreisen aber immer noch Charlet. Stört dich dein Alter Ego manchmal?

Mich stört es nur bedingt. Ich bin froh, dass ich Gino und Charlet schon immer zusammen präsentiert habe und mich nicht, wie viele andere, immer nur hinter der Kunstfigur versteckt habe.

Du hast deinen Weg ins Reality-Fernsehen gefunden. Passion oder Mittel zum Zweck, weil die Gagen fett sind?

Ich habe als kleiner Boy in meinem Kinderzimmer immer davon geträumt, mal im TV, z.B. Dschungelcamp mitzumachen. Es ist sozusagen mein Kindheitstraum, den ich nun echt leben kann. Ich finde es toll, diese Welt mit meinem Humor und Gucci aufzumischen. Natürlich verdient man da nett, das kommt noch on top dazu. Aber ich habe ja schon seit immer einen normalen Job neben meinen DJ- oder TV-Sachen. lch bin also nicht wirklich auf das angewiesen, um zu sagen: “Mittel zum Zweck”. Ich mache es wirklich, weil ich es toll finde!

Wie gehst du mit dem Ruhm und der ganzen Aufmerksamkeit um?

Es ist eigentlich nichts anderes als mit der Aufmerksamkeit als Charlet. Natürlich in einem größeren Umfang. Aber es ist schön, Menschen zu berühren auf jede Art und Weise, die mit dir etwas verbinden. Das finde ich spannend.

Reality-TV wird zwar von sehr vielen Leuten konsumiert, hat aber nicht den besten Ruf. Überzogene Selbstdarstellung, Frauenfeindlichkeit, von der Produktion kreierte “Bitch-Fights”, die sich verselbstständigen, fragwürdige Mitstreiter*innen usw. Bereust du den Schritt ins Fernsehen manchmal?

Nein. Den Schritt bereue ich nicht, weil ich mich schon als authentisch sehe und auch alle Sachen, die du genannt hast, immer anmerke und bekämpfe . Ich sage ja immer, daß ich “soziale Arbeit” in diesen Formaten betreibe.

Ab und an kommt es doch vor, dass man dich im Kleid auf Events oder im Club sieht. So ganz ohne Travestie gehts doch nicht. Möchtest du irgendwann wieder zurück hinters DJ-Pult?

Also ich habe nicht wirklich vor, wieder an die großen Club-Mixer zurückzukehren. Mir reichen kleine, intime Gigs in Bars aus, wo ich die Stimmung der Leute fühle und mehr Kontakt zum Publikum habe.

Zum Berliner Pride hast du im Ritter Butzke aufgelegt. Wie bist du mit dem Anschlag und der zugehörigen Nacht umgegangen?

Da ich zentral wohne, habe ich die ganzen Polizeiwagen und Rettungswagen im Sekundentakt mitbekommen, wie sie zum Tiergarten geeilt sind. Ich war selber unter Schock, dass das nicht weit von meinem Zuhause und in meiner Heimatstadt passiert ist. Habe dann aber trotzdem beschlossen beim Closing des Prides aufzulegen, um zu zeigen, wir stehen zusammen und ich bin hier!

Du hast unlängst zwei neue Formate abgedreht. Kannst du etwas aus dem Schminktäschchen plaudern?

Ja! Also ich darf natürlich nur ein Format ankündigen, das jetzt ab 28.08. kommen wird. Beauty and the Nerd, auf ProSieben bzw. Joyn. Ich darf der erste Gay Beauty Boy sein, den es bisher gab. Natürlich eine große Ehre für mich. Es war auch eine wunderschöne Reise. Ein tolles Format. Genau deshalb liebe ich es, im Reality-TV unterwegs zu sein, weil man seine Story erzählen und Präsenz zeigen kann. Vor allem nach dem, was uns in Berlin passiert ist und wie die aktuelle Lage in Deutschland politisch aussieht. Das andere Format wird auch noch Ende des Jahres zu sehen sein, denke ich. Lasst euch überraschen!

Wenn Fernsehen und Veranstaltungen irgendwann nicht mehr das liefern, was dich glücklich macht, was kommt dann?

Dann hoffe ich, dass Harry Styles mich endlich geheiratet hat und ich in Sydney im Penthouse lebe. Ich glaube, es wird bestimmt wieder eine neue Sehnsucht auftauchen, was ich verwirklichen möchte und dieser dann auch folgen. Ich bin sehr froh, dass alles gut für mich geklappt hat, in den Jahren als Drag oder eben auch in der TV-Landschaft wie bisher. Ich möchte mich daher auch bei allen bedanken, die Teil auf meiner Reise waren/sind.

Danke Charlet!

 


 

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